Holder

Gebr.Holder GmbH, Metzingen

 Auf einer annähernd 110 jährige Firmengeschichte schaut das 1888 gegründete, am Fuße der Schwäbischen Alb beheimatet Unternehmen Holder zurück. Während dieser Zeit hat es so viele technische Pionierleistungen hervorgebracht, das der Name Holder zu Recht in der internationalen Landtechnik einen festen Platz einnimmt. Dies gilt besonders für den Bereich der Pflanzenschutztechnik, wo Holder-Spritzen zu Marksteinen der Entwicklung geworden sind. Ob selbsttätige Rückenspritzen oder Motorspritzen, wie auch immer, zutreffend war auf jeden Fall der schon zur Jahrhundertwende verwendete Slogan „Holder-Geräte helfen bei der Bekämpfung von Schädlingen an allen Kulturpflanzen, im Feld-, Obst- und Weinbau, im Forst und bei der Desinfektion“. Und früh fanden sie auch im Ausland großen Anklang: 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, lieferte Holder bereits mehr als ein Drittel der Gesamtproduktion an Kunden jenseits der Reichsgrenzen.

 

Mit dem Traktorenbau hatte das Unternehmen dagegen bis in die ersten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg nichts zu tun. Erst ein längerer Amerikaaufenthalt von Max Holder, dem Sohn eines der Firmengründer, weitete den Blick in diesen landtechnischen Bereich. Denn Max Holder hatte zum einen bei dem US-Automobilhersteller Nash als Ingenieur umfassenden Einblicke in die Motorfahrzeugproduktion gewonnen, zum anderen aber war er bei seinen Reisen durch den nordamerikanischen Kontinent auch Zeuge des allerorten auf den Farmen stattfinden Aufbruchs hin zur mechanisierten Landwirtschaft geworden. Zurückgekehrt nach Deutschland, beschloss er daher, einen wirtschaftlichen Traktor für den kleinbäuerlichen Betrieb zu konstruieren. Dies war für den Juniorchef leichter gesagt als getan, galt es doch zunächst einmal, firmeninterne Widerstände älterer Mitarbeiter auszuräumen. Jüngere Kollegen jedoch begeisterten sich für Max Holders Idee, und tatsächlich konnte noch im Frühjahr 1930 der erste 6-PS-Holder Einachsschlepper mit der Bezeichnung „Pionier“ vorgestellt werden.

 

Der „Pionier“ wartete mit überraschend guten Ergebnissen beim Pflügen, Mähen, Schleppen, Hacken und kurze Zeit später auch beim Fräsen auf. Selbst eine Weinbergseilwinde konnte angebaut werden, und Max Holder wurde nicht müde, das Gerät landauf, landab vorzuführen. Die Resonanz fiel positiv aus, doch was ausblieb, waren Kaufaufträge. Die Bauern hatten bei noch so großem Interesse kein Geld – Massenarbeitslosigkeit und Depression bestimmten das wirtschaftliche Geschehen. Mit Freude registrierte Holder denn auch einen ersten größeren, aus Frankreich kommenden Auftrag über 50 Maschinen, der allein fast zwei Drittel der ersten Jahresproduktion von 82 „Pionieren“ ausmachte.

 

Doch mit dem wirtschaftlichen Aufschwung setzte ab 1933 auch eine vermehrte Nachfrage nach Holder-Einachsschleppern ein. Da nahte 1938 und damit das 50jährige Firmenjubiläum, für Max Holder Anlass, eine verbesserte, leistungsfähigere Zugmaschine zu entwickeln. Der „Neue-Holder-Traktor“, abgekürzt NHT, entstand und war so ausgelegt, das er keineswegs nur Gärtnereien und Gemüsebetriebe, sondern in größerer Zahl auch Bauern ansprach. In rahmenloser Bauart, mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang, Innenbackenbremsen, Holmschnellverstellung und einem 7-PS-ILO-Motor bot er so viel Technik, das er selbst bei Pflugarbeit mit den meisten Pferdegespannen in Wettbewerb treten konnte.

 

Die Motorgerätefertigung gewann durch die Produktion des NHT für Holder an Bedeutung. Um so stärker traf das Unternehmen die 1942 als Folge der Kriegsereignisse ergangene Auflage, den Bau von Fahrzeugen für flüssigen Kraftstoff einzustellen. Eine Möglichkeit zur Fortführung der Schlepperproduktion bestand allerdings, als es gelang, einen Kleinschlepper mit Holzgasgenerator zu entwickeln. Die Fachleute standen dem Vorhaben skeptisch gegenüber. Ihrer Ansicht nach benötigte der Holzgasbetrieb ein Motorhubvolumen von mindestens 2500cm³, während den Einachsschlepper ein Motörchen von etwa 500cm³ antrieb! Doch Holder nahm die technische Herausforderung an. In mühsamer, oft vom Fliegeralarm gestörten Entwicklungsarbeit baute man einen Holzgasgenerator in Miniaturausgabe, der im Frühjahr 1943 in Serie gehen konnte. Er bildete die Grundlage für den Holzgasschlepper EHG, der mit einem verbesserten Eigenbaugetriebe sowie mit Drehgrifflenkung ausgestatte, Neuerungen bot, die sich auch nach Kriegsende noch als sinnvoll erwiesen.

 

Der Einachsschlepperbau hatte nach dem Zweiten Weltkrieg seine große Zeit. Viele Bauern suchten über die kleinen, handlichen  und relativ preiswerten Maschinen den Weg hin zur Motorisierung, was Holder nur entgegenkam. Ein Zweigwerk wurde geplant, um der vermehrten Nachfrage nach Holder-Erzeugnissen entsprechen zu können. In Grunbach bei Waiblingen in der amerikanischen Zone, im Gegensatz zu dem in der französischen Besatzungszone befindlichen Metzingen, stand geeignetes Areal zum Verkauf. Holder ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und gründete am 1. Juli 1949 die selbständig organisierte „Holder GmbH Grunbach“, die bald schon für den Kleinschlepperbau des Unternehmens verantwortlich zeichnete.

 

Die Ouvertüre zum Holder-Traktorenbau der Nachkriegszeit fand im Zusammenhang mit dem bewährten Einachsschlepper statt. Nachdem man auf der Suche nach einem geeigneten Klein-Dieselmotor  mehrfach von renommierten Herstellern Absagen bekommen hatte, ergriff das mittelständische Unternehmen selbst die Initiative. Das Ergebnis stellte ein nach dem Zweitaktverfahren arbeitender, mit einem Flachkolben ausgerüsteter Kleindieselmotor dar, der nach einigen Verbesserungen Ende 1950 seine Bewährung im Holder-Einachsschlepper bestand. Tatsächlich war das Aufsehen, das die ersten Diesel-Einachsschlepper erregten, beachtlich. Kein Geringerer als Professor H. Meyer, bekannt als Schlepper-Meyer, berichtete damals: „Es ist beachtlich, das es Außenseitern immer wieder gelingt, neue Entwicklungen auszubilden, wie es zum Beispiel von der Firma Gebr. Holder mit ihrem Zweitakt-Dieselmotor erreicht worden ist.“

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Nur, als Außenseiter konnte das schwäbische Unternehmen in der Schlepperindustrie schon nach wenigen Monaten nicht mehr bezeichnet werden. Denn mit Anlauf des Werkes Grunbach startete Holder auch die Produktion des Vierradtraktors B 10, dessen Kennzeichen Wendigkeit, geringer Bodendruck, tiefer Schwerpunkt, Vierradbremse und zwei Zapfwellen einen Könner der Traktorenherstellung verrieten. Die Landwirte, zumal in den Wein –und Obstbauregionen von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, erkannten dies schnell. 1953 rangierte Holder mit 1178 in der Bundesrepublik neuzugelassenen Traktoren bereits auf dem 16.Platz- eine beachtliche Leistung für einen Newcomer des Vierrad-Schlepperbaus. Und der aufwärts gerichtete Trend setzte sich fort. Im nächsten Jahr bereits verließ der 2000ste B10 die Werkshallen, und ein weiteres Modell, der Allradtraktor A10, sorgte für neue Furore. Als frontlastige Spezialmaschine für Reihenpflanzungen verfügte er über Allradbremsen, organische integrierte Hydraulik und Knicklenkung. Dies bedeutete, das das Fahrzeug um den in der Fahrzeugmitte liegenden Knickpunkt mit hydraulischer Kraft geknickt werden kann, so das es extrem kurz zu wenden in der Lage ist. Der technische Aufwand der Knicksteuerung ist einerseits beachtlich, bewirkt, anderseits aber eine außerordentliche Wendigkeit, so wie sie für den Einsatz in Weinbergen und Obstplantagen zweckmäßig ist. Mit diesen beiden interessanten Kleintraktoren gelang Holder in der damals heißumkämpften Klasse der Traktoren bis 12 PS der Sprung in die Spitzengruppe der Anbieter. Nur KHD, Fendt und Hanomag verkauften 1955 mehr Kleintraktoren als Holder, dessen Produktionskapazitäten der großen Nachfrage wegen schon wieder erschöpft waren. Deswegen ließ Holder den inzwischen bewährten 2-Takt-Dieselmotor in größerer Stückzahl auch für andere Firmen  in Lizenz bei Fichtel & Sachs in Schweinfurt bauen.

 

Der große Erfolg von Holder in der kleinen Traktorklasse schuf die Voraussetzung, um in den nächsten Jahren vorrangig auf Modellpflege zu setzten. Doch möglicherweise tat das Unternehmen des Guten zuviel! Zwischen 1958 und 1968 halbierte sich nämlich die Zahl der Inlandszulassungen, eine Folge der sich hin zu stärkeren Traktoren verlagernden Nachfrage. Dennoch konnte Holder 1959 mit einiger Genugtuung auf zehn Jahre Grunbach zurückblicken. 240 Mitarbeiter zählte das Werk inzwischen, und insgesamt 50 000 gebaute Holder-Traktoren demonstrierten, das man sich durchaus zu den etablierten Herstellerfirmen zählen durfte. Dies unterstrich Holder einige Jahre später, 1963, als in beiden Fabrikationsstätten das 75jährige Unternehmensjubiläum gefeiert wurde. 800 Mitarbeiter, 1,7 Millionen Pflanzenschutzgeräte, 90 000  Kleinschlepper bei 500 000 Anbaugeräten sind nur einige Positionen einer eindrucksvollen Bilanz. Doch auf den Erfolgen ausruhen, konnte gefährlich sein.

 

Deshalb forcierte Holder während der sechziger Jahre vor allem den Ausbau des Traktorenprogramms. Erfolgreiche Modelle wie die Typen Cultitrac A20 und A21 wurden in diesen Jahren herausgebracht, bei denen einerseits technische bewährte Elemente wie Knicklenkung und Allradantrieb beibehalten, andererseits aber die Motorleistung erhöht und die Getriebeabstufung verbessert wurde. 1966 beispielsweise umfasste so die Holder-Traktorenreihen Fahrzeuge mit Leistungen zwischen 3 und 27 PS. Und in dieser Richtung setzte Holder auch in den nächsten Jahren seine Anstrengungen fort. 1975 leistete das Holder Spitzenmodell A55 bereits 42 PS, wobei sich das Unternehmen einiges darauf zugute hielt, Motor wie Getriebe selbst gefertigt zu haben. Daran änderte sich auch in den folgenden Jahren wenig. Holder perfektionierte das Knickschlepperkonzept und machte die Fahrzeuge zu hochwertigen Spezialmaschinen vor allem für Reihenkulturen. So lassen sich im Front- wie auch im Heckanbau gleichzeitig verschiedene Anbaugeräte auf einfache Weise an den Holder-Traktoren anbringen, wodurch zwei Arbeitsgänge bei einer Fahrt erledigt werden können. Dies trifft beispielsweise auf die Kombination Mulchen und Spritzen zu, was einer zeitsparenden und gleichzeitig bodenschonenden  Landbewirtschaftung sehr entgegenkommt.

Die Formgebung der Holder-Traktoren war unverwechselbar geworden. Schon von Ferne erkannte man die Dunkelgrün gehaltenen Zugmaschinen an den weit über die Vorderachse nach vorne gezogenen Motor, der schmalen und zugleich niedrigen Bauweise, den vier gleichgroßen Rädern und der Knicklenkerkonstruktion.

Doch trotz dieses in der Zweckmäßigkeit kaum mehr  umstrittenen Konzepts tat sich Holder mit seinen Traktoren auf dem enger gewordenen Schleppermarkt schwer. So hat sich zwischen 1978 und 1985 die Zahl der Inlandsneuzulassungen wiederum halbiert, und das, obwohl während dieser zeit der Marktanteil nur  um 0,3 Punkte von 1,5 % auf 1,2% zurückgegangen ist.

 

Auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens konnte dies nicht ohne Wirkung bleiben. Die Finanzlücke wurde zu Beginn der achtziger Jahren größer, und Anfang 1986 bot nur noch das Vergleichsverfahren eine Chance für die Fortführung des Betriebs. Es umfasste die Unternehmensgruppe Holder mit beiden Fabrikationsstätten in Metzingen und Grunbach sowie die Carl Platz GmbH, Frankenthal. Nach langwierigen Verhandlungen einigten sich Gläubiger und Eigner auf eine Fortführung der Firma Gebr. Holder, in beschränktem Umfange allerdings. Verkauft wurde das Werk Frankenthal, geschlossen die Fabrikationsstätte Grunbach, fortgeführt dagegen das Werk Metzingen.

1988, im Jahr des 100jährigen Firmenjubiläums, konnte Holder melden, das das Schlimmste überstanden war. Mit 530 Mitarbeiter erwirtschaftete man einen Umsatz von 85 Mio. DM, zu dem der Produktbereich Schlepper 48,5 Mio. DM beisteuerte. Das ungebrochen hohe internationale Ansehen von Holder fand seinen Niederschlag im hohen Exportanteil von 60 Prozent der Schlepperproduktion, die insgesamt jedoch eine weiterhin eher rückläufige Tendenz aufwies. 1989 beendete Holder deshalb den eigenen Motorenbau und verwendet seitdem in seinen Traktoren Deutz-Motoren. Auch setzte Holder die Umorientierung zum Bereich Pflanzenschutz- und Umwelttechnik fort mit der Konsequenz, das 1990 erstmals nach Jahrzehnten nicht mehr der Traktorenbau, sonder der Bereich Pflanzenschutz- und Umwelttechnik zur umsatzstärksten Sparte geworden war.

 

Mit dieser Ausrichtung fügte sich Holder hervorragend in das Konzept der japanischen Maruyama Manufactoring Company Inc., Tokio, ein, die seit 1992 alleiniger Eigner von Holder ist. Die 1895 gegründete und damit nahezu gleichalte Maruyama Comp. fertigt und vertreibt vor allem Pflanzenschutzgeräte, Motorsensen und Feuerlöscher und hofft, über Holder verstärkt in das europäische Umwelttechnikgeschäft zu kommen. Den Holder-Traktorenbau führte man dessen ungeachtet fort. Die kleinen und wendigen Knicklenker eignen sich sowohl für den Einsatz im Kommunal- wie im Landschaftspflegebereich. Mit den beiden größten Modellen A750 und A760 (50 bzw. 60 PS) hofft man zudem auch, wie bisher, Obstbauern, Gärtner und Winzer als Kunden ansprechen zu können. Gewichen allerdings ist das einst charakteristische „Holder-Grün“. Dominant geworden ist dafür das für Kommunalfahrzeuge kennzeichnende Orange, was bislang aber noch kaum einen zum Kauf entschlossenen Landwirt abgeschreckt haben wird. Dennoch haben sich von 1986 (381) bis 1994 (191) die Zulassungszahlen für Holder-Schlepper nochmals halbiert. Der Platz in der „Rangliste“ hingegen ist nahezu gleich geblieben (15 statt 13).

1995

Die MultiPark Baureihe wird erstmals auf der areal in Köln dem Publikum vorgestellt. Diese richtungsweisende Konstruktion einer kompletten Kommunalfahrzeugfamilie, mit fünf verschiedenen Grundmodellen - alle zeichnen sich durch kompakte Rahmenbauweise, Knicklenkung, permanenten, hydrostatischen Allradantrieb über Radmotoren und 4 gleich grosse Räder aus - stellt eine der erfolgreichsten Entwicklungen von HOLDER der letzten Jahre dar.

1996

Geänderte Interessenslage, Strukturwandel und Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern sowie der Region veranlaßten Dr. Hans Saur und seine Familie zum Rückkauf des Unternehmens.
Mit dieser weittragenden Aktion kann das Traditionsunternehmen seine Stärken, allen voran Innovationskraft und Flexibilität, voll ausschöpfen.

1998

Vom Pioniergeist alter Zeiten nichts eingebüßt, wurde eine Entwicklung des Unternehmens, das OVS-Gebläse, auch international mit der Goldmedaille als innovative Entwicklung ausgezeichnet.

2000

Stolz auf 112 Jahre Firmentradition präsentiert sich heute das Unternehmen jung, dynamisch und zukunfsorientiert.
Auch zu Beginn des neuen Jahrtausends lebt die Einstellung der Gründergeneration in der Geschäftsleitung und den Mitarbeitern weiter und so überzeugt das Familienunternehmen mit einem zukunftsorientierten Produktprogramm.

   

 

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