Josef Bautz AG

Saulgau

Prof. Klaus Herrmann "Traktoren in Deutschland 1907 bis heute" von 1987  

Bautz-Schlepper hatten nie den Nimbus des Besonderen. Möglicherweise aber machte gerade diese Unauffälligkeit ihre stärke aus. Solange sie gebaut wurden, zwischen 1950 und 1962, verkörperten sie das, was man gerne als den konservativen Schleppertyp bezeichnet. Hinterradantrieb, leichte Bauweise, Heckanbau zählten zu den Kennzeichen der ersten Bautz-Schlepper, bevor 1959 eine moderne Schleppergeneration vorgestellt wurde, deren Typen als kombinierte Zug- und Tragschlepper nun auch für den Zwischenachsanbau geeignet waren.

Darin kommt bereits zum Ausdruck, dass sich das in Oberschwaben ansässige Familienunternehmen mit dem Traktorenbau nicht leicht getan hat. Als Speziallist für Erntemaschinen hingegen galt man zu Recht! Seit 180 wurden immer wieder verbesserte Heuwender, Gras- u. Getreidemäher entwickelt und in großer Stückzahl verkauft. Allein vom Grasmäher "Attila" gingen zwischen 1914 und 1934 über 100.000 Stück in die Welt, wobei sich Bautz einiges darauf zugute hielt, alle wichtigen Maschinenteile selbst hergestellt zu haben. Große Anerkennung fand auch der ab 1935 gebaute Bautz-bindemäher, eine zuvor am Markt nicht übliche Schweißkonstruktion.

Im gleichen Jahr kam der Firmengründer Josef Bautz, ein ausgebildeter Hammerschmied, unter Berücksichtigung der immer schwerer gewordenen Landmaschinen auf den Gedanken, den Bauern die Möglichkeit zu bieten, ihre Bautz-Traktoren ziehen zu lassen. gedacht - getan, und so kaufte der gerade liquide Bautz in Großauheim am Main eine leerstehende Fabrik mit großem Werksgelände. Im Hessischen also sollten zukünftig Bautz-Traktoren gebaut werden, doch mehr als einige Prototypen brachte man vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges nicht zustande. Damit aber war für die Planen der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft die Entscheidung klar. Noch 1939 wurden die Werksanlagen in Großauheim für die Rüstungsproduktion beschlagnahmt, während als Ausgleich in Saulgau die als dringlicher eingestufte Erntemaschinenherstellung unbeeinflußt fortgeführt werden konnte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ sich der Wunsch von Bautz nach der eigenen Traktorenfabrik ebenfalls nicht ohne weiteres verwirklichen. Die meisten Werkshallen in Großauheim waren zerstört, und was den Krieg überdauerte, diente nun ebenso wie weite Teile des Firmengeländes der US-Army als Militärlager.Um so besser florierte dafür der Werksteil Saulgau.. 1950 beschäftigte Bautz hier bereits wieder über 700 Mitarbeiter im Erntemaschinenbau, in welchem man eine in Deutschland führende Stellung innehatte. Dies gab den mut, den Gedanken der Schlepperfabrikation weiterzuverfolgen. Eine überraschende Chance bot sich noch im gleichen Jahr. die Tübinger Firma Zanker übertrug Bautz die Ausstellung des Zanker-Traktors auf der Frankfurter DLG-Schau in der Absicht, sich ohnehin so rasch wie möglich von der Schlepperfertigung wieder zu trennen. Und Bautz nutzte die Gelegenheit. Man erwarb die Konstruktion, richtete die Großauheimer Anlage für die Produktion her und stellte noch im gleichen Jahr einen 14-PS-Traktor vor, dessen 1-Zyl.-2-Takt-Dieselmotor weitestgehend dem von Zanker entwickelten Motor Typ M1 entsprach.

Wie sehr man bei Bautz damals aufatmete, zeigen Anzeigen der ersten Stunde: "60 Jahre Bautz - Der lang erwartete 14-PS-Bautz-Dieselschlepper ist da", hieß es. Für den Absatz  sorgte das gut ausgebaute Bautz-Vertriebsnetz, wo man nicht müde wurde, auf das "vorzügliche Mähwerk" des Traktors hinzuweisen, denn: "Im Mähmaschinenbau ist Bautz zu Hause".

Einen im Styling veränderten Kleinschlepper eigener Konstruktion stellte Bautz zur Jahreswende 1950/51 mit dem AS 120 (später: AS 122) vor. Leichte Bauweise und günstiger Preis machten das Fahrzeug vor allem für Kleinbauern interessant. Angetrieben wurde es von dem von MWM zugelieferten wassergekühlten 2-Zyl.-4-Takt-Dieselmotor KD 11Z, einer Neuentwicklung mit einer Leistung von 12 PS, die bei Bautz erstmals zum Einsatz gelangte.

Die folgenden Jahre nutzte man bei Bautz, um eine Kleinschlepper-Familie aufzubauen. 1954 verfügte man bereits über vier verschieden starke Typen mit einer Leistung zwischen 12 und 22 PS. Als Motorenlieferant traten MWM und güldner in Erscheinung, mal mit luft- und dann wiederum auch mit wassergekühlten Triebwerken. Die Getriebe steuerte Bautz entweder selbst bei oder sie stammten von der Zahnradfabrik Passau. Auf jeden fall aber paßten die Traktoren so gut zusammen, dass man ab 1953 häufig einen Platz unter den ersten Dutzend Firmen bei den Schlepperneuzulassungen belegen konnte.

Das Jahr 1954 brachte Bautz eine beachtliche Verbesserung der Produktionsbedingungen in Großauheim. Im Tausch mit den sich nach wie vor auf dem Werksgelände befindenden US-Streitkräften konnte die Hallenfläche um rund 5000 qm aufgestockt werden. So wurde es möglich, der bis 156 stetig ansteigenden Nachfrage nach Bautz-Traktoren zu entsprechen. Unvorbereitet stand das Unternehmen allerdings 1957 da, als der Absatz von Kleinschleppern plötzlich um fast die Hälfte zurückging. Mit geringfügig stärkerer Motorleistung, ansonsten aber unveränderten Modellen, konnten neue Kunden jedenfalls beinahe nur im Ausland hinzugewonnen werden

Mit Nachdruck arbeitete man deshalb bei Bautz gegen ende der fünfziger Jahre an einer neuen Modellreihe. Das Ergebnis war der 1959 vorgestellte "Bautz 200", ein kombinierter Zug- u. Tragschlepper mit 15 PS. Seine Vorzüge wurden im wesentlichen im leichten Geräteanbau, der praktischen Anordnung und Handhabung der Bedienungshebel sowie der relativ handlichen Montage des Mähwerks gesehen. Ähnlich ausgelegt, nur stärker motorisiert war der, kurze zeit später auf den Markt gebrachte 20-PS leistende "Bautz 300", während mit dem noch aus der alten Baureihe weiterentwickelten "Bautz 350" versucht wurde, an Traktoren bis 25 PS, interessierte Landwirte anzusprechen.

Um nun aber den immer größer werdenden Kundenkreis für Traktoren der gehobenen Leistungsklasse gleichfalls bedienen zu können, entschloß man sich bei Bautz, Traktoren des englischen Herstellers Nuffield ins Programm aufzunehmen. In einer Werbeschrift hieß es : " Ab 30 PS beginnt der überseeische Massenbedarf und damit die englische Massenfabrikation. Mit dieser hat sich Bautz verbündet". Nur - glücklich gestaltete sich diese Verbindung nicht. Deshalb hielt Bautz nach einem deutschen Partner Ausschau, den man 1962 in der Rheinstahl Hanomag AG gefunden zu haben glaubte.

Und tatsächlich, vorzeigbar war das von der "Union Hanomag Bautz" vorgestellte Schlepperprogramm allemal. Bautz-Traktoren besetzten die Leistungsklasse bis 20 PS, von Hanomag kamen die stärkeren Modelle. Nur - lange hielt auch diese "Union" nicht. Bautz zog sich alsbald wieder aus der Verbindung zurück, allerdings um den Preis der Einstellung des Traktorenbaus. Nach mehr als 25.000 gebauten Traktoren beendete Bautz 1962 seine Aktivitäten als Traktorenhersteller zu einer Zeit, als der Markt in eine ernste Krise geriet.

Als Spezialist für Erntemaschinen blieb das schwäbische Unternehmen noch einige Jahre erfolgreich. 1969 jedoch endete die selbstständige Tätigkeit durch Übernahme sämtlicher Geschäftsanteile durch die Firma Claas, Harsewinkel. Nun führt schon seit Jahren die "Claas Saulgau GmbH" die Tradition des Erntemaschinenbaus fort, indem unter anderem Futtererntemaschinen und Feldhäcksler zum Produktionsprogramm des Unternehmens zählen.


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