Oldtimer- und Schlepperfreunde Treschklingen

 

 

Hugo Junkers Tüftler und Flugzeugkonstrukteur

 

 

Bericht von Jochen Schön

 

 

Der Erfinder, Techniker und Unternehmer Professor Hugo Junkers kam 1888 nach Dessau, wo Wilhelm von Oechelhaeuser für seine Forschungen auf dem Gebiet des Gasmotors einen Mitarbeiter suchte. Nach knapp fünfjähriger Zusammenarbeit gründete Junkers eine erste eigene Firma. Er forschte in Dessau auf verschiedensten Gebieten der Technik, brachte es auf ca. 300 Patentanmeldungen und war der größte Arbeitgeber der Stadt, die ihn 1928 zum Ehrenbürger ernannte.

 
1892 entwickelte er den ersten 100-PS-Gegenkolbengasmotor und 1897/1898 sogar einen 1.000-PS-Motor. Der Gasmotor fiel, trotz seiner technischen Lösung, den handlicheren, leistungsfähigeren Antriebsmitteln der Elektroindustrie auf Dauer zum Opfer.
Doch für Junkers war mit der Motorenforschung ein Lebensziel abgesteckt worden, an dem er bis zur Entwicklung des Schwerölmotors in seinem 70. Lebensjahr festhielt.

 

1895 gründete er die Apparatewerke "Junkers u. Co.", die bis zum Verkauf an die Bosch-Werke im Jahre 1932 den blühendsten und profitabelsten Zweig von Junker's Industrieunternehmen ausmachten.

 

1897 war Hugo Junkers im Besitz eines guten Dutzends Patente und eines guten Rufes. Er wandte sich endgültig vom Gasmotor ab und patentierte 1907 den Gegenkolben-Dieselmotor.

 

Bereits 1902 errichtete er eine Versuchsanstalt für Ölmotoren, deren Experimente in seine Lehrtätigkeit einflossen. 1909 wandte er sich einem neuen Aufgabengebiet, der Aerodynamik und dem Motorflug zu. Zusammen mit Prof. H. Reißner versuchte er, die Aerodynamik auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen. In diese Arbeit brachte er Kenntnisse in der Strömungslehre, Werkstoffprüfungsverfahren und in der Metallbauweise ein.

 

1910 entstand ein Luftstromkanal. Junkers war in dieser Zeit Lehrer, Wissenschaftler und Industrieller geworden, was sich recht harmonisch verband.

Nach fast l4jähriger Tätigkeit gab er 1911 das Lehramt auf.

 

1914 mußte auch Junkers die "Junkers u. Co." auf Kriegsproduktion, wie Zünder, Geschosse, Feldküchen etc. umstellen. Der Krieg begünstigte ein anderes Vorhaben Junkers, den Bau eines freitragenden und flugfähigen Ganzmetallflugzeuges.

 

Mitte Dezember 1915 startete der "Blechesel" und erreichte 170 km/h bei geringem Steigflug. Junkers änderte die Technologie und verwandte ab 1916 Duraluminium, das aufgrund geringen Gewichtes und hoher Festigkeit für die Metallbauweise besonders geeignet war. Aus statischen Gründen verwendete er zusätzlich gewelltes Blech.

 

1916/17 hatte Junkers einen Fundus an technisch - wissenschaftlichen Erkenntnissen erworben, der de facto die Basis für kommende Flugzeuggeneration des Dessauer Werkes abgab.

 

1917 gelang Junkers der Durchbruch als Leistungsfabrikant von Kriegsflugzeugen, obwohl 323 gelieferte Kriegsflugzeuge nur einen bescheidenen Anteil an der Flugzeugrüstungsproduktion ausmachten. Nach dem 1. Weltkrieg wandte er sich der friedlichen Nutzung der Luftfahrt zu.

 

Am 25.6.1919 startete Junkers "F 13" und wurde für ca. 10 Jahre Vorbild im internationalen Flugzeugbau und zu einem Welterfolg. Die Großflugzeuge "G 24" und "G 31" wurden ebenfalls Welterfolge. Sie waren feuerfest und wetterbeständig, hielten hohen Belastungen stand, waren für Passagiere bequem und lieferten größtmögliche Sicherheit.

 

1921 wurde unter dem Blickwinkel des Vertriebes, auch seiner Wärmegeräteproduktion, eine Abteilung Luftverkehr eingerichtet.

 

1923 begann Junkers mit eigener Motorenproduktion. Kontakte mit Sowjetrußland führten aufgrund der politischen Großwetterlage am 6. Februar 1922 zu einem Vertrag über die Fabrikation von Flugzeugen in Fili. Aufgrund finanzieller und politischer Gründe in den Folgejahren führte dieses Unternehmen zum ersten Bankrott Junkers. Nur durch die Wahrung des außenpolitischen Ansehens Deutschlands wurde Junkers wieder in die Rechte eines Konzemherrens eingesetzt. Der 1921 ausgebaute innerdeutsche Luftverkehr führte 1924/ 25 zur Konfrontation mit der deutschen Aero Lloyd.

 

Am 6. Januar1926 wurde die Lufthansa gegründet, in die der Junkers-Luftverkehr aufging, ohne daß Junkers ein Mitspracherecht, wie die Finanziers von Aero Lloyd, bekam.

 

Im Zeichen eines wachsenden Antisemitismus trat Junkers öffentlich für Frieden und Völkerversöhnung, für Humanität und künstlerische Weltoffenheit ein.

 

Bei einem Staatsempfang am 14. Juni 1927 in Dessau mied Hindenburg mit Junkers zusammenzutreffen. Die Reichswehr, deren höchster Vertreter Hindenburg war, betrachtete die rebellische Aufsässigkeit eines Hugo Junkers gegen den Machtanspruch der schimmernden Wehr als unverzeihlich. Überhaupt verschlechterten sich Junkers Beziehungen zur Reichswehr Ende der zwanziger Jahre und besonders in den frühen dreißiger Jahren erheblich. Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise hatten auch auf die deutsche Flugzeugindustrie katastrophale Folgen. Junkers drohte erneut der wirtschaftliche Bankrott. Einflußreiche Wirtschaftskräfte wollten Junkers aufkaufen oder durch Kreditaufnahme abhängig machen. Er verkaufte sein Dessauer Werk für Gasbadeöfen und -Warmwasseranlagen an den Bosch-Konzern. Damit stellte er 1932 nochmals die von ihm beanspruchte Selbständigkeit in den Forschungsanstalten und in den Flugzeug- und Motorenwerken her.

 

Die Machtübernahme des Faschismus am 30. Januar 1933 war das endgültige Ende für Junkers als Konzernbesitzer und Unternehmer. In der Nacht vom 17. zum 18. Oktober 1933 wurde Junkers gezwungen, 51 Prozent seiner Aktien an den faschistischen Treuhänder Müller zu übergeben. Ende Oktober bzw. spätestens am 4. Dezember 1933 muß der Beschluß gefaßt worden sein, Junkers restlos auszuschalten. Am 6. Dezember 1933 wurde der einstige Flick-Direktor Heinrich Koppenberg zum Aufsichtsratsvorsitzenden in den Dessauer Junkers-Werken eingesetzt. Junkers wurde unter eine Art Ausnahmegesetzgebung gestellt. Ihm wurde das Betreten des Werkes sowie der Besuch Dessaus verboten. Seine Bewegungsfreiheit wurde auf München und Bayrisch-Zell begrenzt. Hugo Junkers starb am 03. Februar 1935 an seinem 76. Geburtstag.

 

Quelle: Olaf Groehler / Helmut Erfurth Hugo Junkers, Ein politisches Essay, Militärgeschichtliche Skizzen  

 

 

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