Maul- und Klauenseuche - Erkennen, Vorbeugen, Bekämpfen


Warum ist Maul- und Klauenseuche so gefährlich?

Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist im Welthandel die gefährlichste Seuche für Klauentiere. Da wichtige Märkte für Klauentiere sowie die von ihnen stammenden Erzeugnisse frei von MKS sind, wird jeder Ausbruch in der Europäischen Gemeinschaft zu zeitweiligen Sperrregelungen für das betroffene Gebiet zum Schutz des gemeinsamen Binnenmarktes führen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Drittländer zum Schutz ihrer Klauentierbestände oft noch weitgehendere Sperrmaßnahmen ergreifen.

Der große Schaden, den diese Seuche verursacht, resultiert also nur zum geringeren Teil aus der Erkrankung der Tiere, sondern vor allem aus den strikten Handelssperren, Sperrmaßnahmen um den Seuchenherd und langwirkenden Problemen im Absatz von lebenden Tieren und von ihnen stammenden Erzeugnissen.


Welche Krankheitserscheinungen treten auf?

Die MKS ist in der Regel eine schnell fortschreitende (akut verlaufende), fieberhafte und sehr leicht übertragbare Viruserkrankung der Wiederkäuer und Schweine. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar.

Sie ist gekennzeichnet durch einen raschen Verlauf im Bestand und die schnelle Verbreitung über größere Gebiete. Die Erkrankungsrate ist meistens hoch (fast 100 %), die Sterblichkeitsrate jedoch gering (2 bis 5 %). Bei bösartigen Verlaufsformen können allerdings 50 bis 70 % der Kälber und Ferkel sterben. Jedoch gibt es auch mildere Verlaufsformen ohne die beschriebenen Symptome.

Rind

Die ersten Krankheitsanzeichen sind Fieber (1 bis 2 Tage; bis zu 42 °C) und beschleunigter Puls. Rasch verschlechtert sich das Allgemeinbefinden. Die Tiere fressen schlecht und beginnen zu speicheln.

Der Speichel hängt in langen Fäden aus dem Maul; oft bildet sich unter den Tieren oder im Futtertrog eine "Speichellache".

An der Innenfläche der Lippen, am Zahnfleisch, am zahnlosen Rand des Oberkiefers sowie am Rücken und an den Rändern der Zunge erscheinen Blasen (Schmatzgeräusche sind zu hören). Gleichzeitig entwickeln sich Blasen an und zwischen den Klauen, an der Euterhaut und an den Zitzen.

Bei Milchkühen gilt ein schlagartiger Milchrückgang als erstes Alarmzeichen.

In den Blasendecken und im Blaseninhalt ist der Krankheitserreger massenhaft enthalten. Nach kurzer Zeit reißen die Blasen auf, und der Heilungsprozess setzt ein, der oft von bakteriellen Folgeinfektionen gekennzeichnet ist. Gleichzeitig erkranken ständig weitere Tiere. Die MKS kann auch in bösartiger Form auftreten. Dabei bewirkt das Virus eine meist tödlich verlaufende, mit Verfall einhergehende Entzündung des Herzmuskels (Tigerherz).

Schwein

Es sind vorwiegend die Klauen, aber auch die Rüsselscheibe oder die Maulschleimhaut befallen. Saugferkel verenden plötzlich ohne Krankheitserscheinungen.

Am Gesäuge der Sau treten Blasen oder geplatzte Blasen mit blutigem Grund auf. Größere Schweine stehen nicht auf oder zeigen Schmerzen beim Aufstehen und/oder gehen lahm. Bei genauer Untersuchung sind Blasen am Kronrand der Klauen und im Zwischenklauenspalt sichtbar.

Ein Schwein scheidet über die Atemluft so viele Krankheitserreger aus wie bis zu 3.000 Rinder (bis zu einhundert Millionen Erreger). Da der Wind diese weit verteilen kann, sind drastische Folgen denkbar.

Schaf, Ziege

Bei Schafen und Ziegen sind die Krankheitsanzeichen relativ unauffällig. Am Kronrand, Zwischenklauenspalt, Maulhöhle, Lippen und Euter können Blasen auftreten. Durch die Veränderungen an den Klauen lahmen die Schafe (ist oft einziges Anzeichen). Bei Ziegen kann es zur Bildung schnellplatzender Blasen auf der Maulschleimhaut kommen, während die Klauenveränderungen seltener ausgeprägt sind. Die Futteraufnahme ist in der Regel nicht beeinträchtigt.


Was ist die Ursache?

Der Erreger der MKS ist ein Virus, das leicht übertragbar ist, eine sehr große Ansteckungsfähigkeit hat und in verschiedenen Typen auftritt.

Die Widerstandsfähigkeit des MKS-Virus in der Außenwelt ist relativ hoch:

  • In Gefrierfleisch infizierter Tiere bleibt es jahrelang wirksam. Dadurch ist eine Verschleppung in andere Länder möglich.
  • Eingetrocknet hält es sich zum Teil monatelang beispielsweise an Haaren, Wänden, Säcken, Kleidern, Schuhen und Heu.
  • Im Erdboden, in Abwässern und in der Jauche kann es ebenfalls monatelang ansteckungsfähig bleiben.

Dagegen wird das MKS-Virus rasch abgetötet

  • durch direkte Sonneneinstrahlung und Hitzeeinwirkung (ca. 30 Minuten bei 60 bis 65 °C;
  • ca. 15 - 20 Sekunden bei 85 -90° C - z.B. beim Pasteurisieren der Milch),
  • durch pH-Wert-Veränderungen, sowohl in den sauren als auch in den alkalischen Bereich sowie
  • durch die normale Fleischreifung (ca. 48 Stunden).

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Die Zeit vom Eindringen des MKS-Virus in den Organismus bis zum Aufreten der ersten sichtbaren Krankheitsanzeichen ist die Inkubationszeit. Sie ist unterschiedlich lang und hängt von der Tierart sowie der aufgenommenen Virusmenge ab.

Die Inkubationszeit beträgt:

beim Rind: 2 bis 7 Tage, selten mehr,
beim Schwein: 2 bis 12 Tage, selten mehr,
bei Schaf und Ziege: 2 bis 14 Tage, selten mehr.
 

Wie verbreitet sich die Krankheit?

Empfänglich für die MKS sind

  • Hauswiederkäuer (Rind, Schaf und Ziege),
  • Wildwiederkäuer (z.B. Rotwild, Rehwild und Damwild) sowie
  • Haus- und Wildschweine.

Das MKS-Virus wird auf direktem Wege übertragen, meistens durch Kontakt von Tier zu Tier, im Stall, auf dem Transport oder auf Viehmärkten. Eine Übertragung ist jedoch auch auf indirektem Weg über Zwischenträger - beispielsweise über Fahrzeuge, Personen (auch durch Urlaubsgäste und Saison-Kräfte), Milch, Knochen, Häute, Borsten, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Küchenabfälle und Luft - möglich . Die MKS ist eine klassische Zwischenträgerseuche. Vor dem Hintergrund der langen Haltbarkeit des Erregers in der Außenwelt und der hohen Ansteckungsfähigkeit kommt auch dem Menschen als Überträger eine große Bedeutung zu (nicht gereinigte und desinfizierte Kleider, Schuhe oder Hände).

Die wichtigste Infektionsquelle sind Tiere in der Inkubationszeit. Der Erreger wird in der Regel über die Schleimhäute von Maul und Nase aufgenommen. Das Virus wird bereits Tage vor Ausbruch der Krankheit über den Speichel, Nasensekret, Samen und die Milch ausgeschieden, wenn noch niemand an Vorsichtsmaßregeln denkt. Die von einem Tier ausgeschiedene Erregermenge reicht aus, Hunderttausende andere Tiere anzustecken. Mit Kot und Urin werden nur geringe Virusmengen ausgeschieden.


Wie groß ist die Gefahr der Einschleppung?

Die MKS ist weltweit verbreitet, besonders in Südamerika, Afrika, einigen asiatischen Staaten und in Staaten des nahen Ostens. Aus diesen verseuchten Gebieten besteht wegen des international sehr ausgeweiteten Handels- und Personenverkehrs ständig die Gefahr einer Einschleppung der MKS.

Weitere potentielle Gefahrengebiete sind die südlichen und östlichen Mittelmeerstaaten (z.B. Marokko, Tunesien, Ägypten und Israel) sowie besonders die Türkei (Anatolien).

So resultierten in den EU-Mitgliedsstaaten und den Staaten Mittel- und Osteuropas sporadische Ausbrüche in den vergangenen Jahren aus der Einschlep-pung des MKS-Virus aus verseuchten Gebieten.


Was ist bei Verdacht auf MKS zu tun?

Ein Verdacht muss sofort gemeldet werden (Anzeigepflicht)!

Grundsätzlich sollte bei gesundheitlichen Störungen im Bestand immer der Hoftierarzt hinzugezogen werden. Sobald sich bei den empfänglichen Tieren Erscheinungen zeigen, die auf MKS hindeuten könnten, ist dies der zuständigen Behörde unverzüglich anzuzeigen. Zuständige Behörde ist in der Regel das örtlich zuständige Veterinäramt; unverzüglich heißt ohne jeden Zeitverlust und ohne schuldhafte Verzögerung.

Zur Anzeige verpflichtet sind:

  1. der Besitzer oder sein Vertreter,
  2. wer anstelle des Besitzers zeitweilig mit der Aufsicht der Tiere beauftragt ist,
  3. wer berufsmäßig sonst mit Tieren zu tun hat (z.B. Tierärzte, Schäfer, Viehhändler und Schlachter).

Die zuständige Behörde wird bei Verdacht geeignetes Probenmaterial (Blasenmaterial von Gaumen, Zunge und Klauen, Nasentupferproben sowie Schleimfängerproben aus der Speiseröhre) entnehmen und zur Untersuchung an das nationale Referenzlabor für MKS senden. Das ist die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, Anstaltteil Insel Riems, Boddenblick 5a, 17498 Insel Riems oder Anstaltteil Tübingen, Paul-Ehrlich-Straße 28, 72076 Tübingen.

Bis zur Vorlage des Untersuchungsbefundes - in der Regel nach etwa 2 bis 3 Tagen - hat der Besitzer sicherzustellen, dass

  • sämtliche Klauentiere in ihren Ställen oder sonstigen Standorten (z.B. Weiden) abgesondert werden,
  • der Stall nur mit besonderer Schutzkleidung und nur vom Besitzer oder anderen mit der Beaufsichtigung, Wartung und Pflege betrauten Personen betreten werden darf (der Personenkreis ist so klein wie möglich zu halten),
  • Klauentiere weder eingestallt noch aus dem Betrieb oder von der Weide verbracht werden,
  • verendete oder gegebenenfalls getötete Klauentiere so aufbewahrt werden, dass
    - sie vor Witterungseinflüssen geschützt sind und
    - Menschen oder Tiere nicht mit ihnen in Berührung kommen können,
  • von Klauentieren stammende Teile, Rohstoffe oder sonstige Erzeugnisse, Dung und flüssige Stallabgänge sowie Gegenstände, die mit Klauentieren in Berührung gekommen sind, vorsorglich desinfiziert und nicht aus dem Betrieb verbracht werden;
  • Milch nur an eine Sammelmolkerei zur Erhitzung abgegeben oder auf dem eigenen Betrieb vernichtet wird sowie
  • Stallgänge desinfiziert und an den Stallein- und -ausgängen Möglichkeiten zur Desinfektion der Schuhe eingerichtet werden (zu empfehlen ist die Desinfektion des Hofes sowie der Wege zum Betrieb).

Die Maßnahmen verfolgen den Zweck, den Seuchenherd schon vor einer amtlichen Feststellung abzuschirmen, um eine Verschleppung des Erregers zu vermeiden. Vor dem Hintergrund der Übertragungswege (siehe Ursache) trägt der Landwirt durch die korrekte und strikte Anwendung dieser Maßnahmen entscheidend zur Seuchenbekämpfung bei.

Bestätigt sich der Verdacht durch die Laboruntersuchung nicht, werden die Maßnahmen aufgehoben. Sollte jedoch MKS-Virus nachgewiesen werden, gelten weitergehende Maßnahmen für den Seuchenbetrieb, den Sperrbezirk und das Beobachtungsgebiet (siehe Sperrbezirk und Beobachtungsgebiet).


Wie kann der Landwirt vorbeugen?

  • Bereits der Verdacht auf MKS muss dem Veterinäramt angezeigt werden! Verdächtig sind Krankheitserscheinungen, die bei mehreren Klauentieren gleichzeitig oder in kurzen Zeitabständen mit ähnlichen Anzeichen auftreten. Bei Schafen ist insbesondere auf Lahmheiten zu achten. Deshalb sollte der Hoftierartz sofort hinzugezogen werden. Jeder verlorene Tag erhöht das Risiko der Weiterverschleppung des Virus um ein Vielfaches.
  • Tiere nur aus wenigen, bekannten und gesunden Beständen zukaufen.
  • Tiertransporte auf ein Minimum beschränken. Viehtransporter nach jeder Fahrt reinigen und desinfizieren.
  • Fahrzeuge der Tierkörperbeseitigungsanstalt dürfen nicht auf den Hof fahren. Speiseabfälle dürfen nicht an Klauentiere verfüttert werden (Ausnahme: Die Abfälle werden vorschriftsmäßig in von der zuständigen Behörde genehmigten und amtstierärztlich kontrollierten Erhitzungsanlagen so erhitzt, dass das Virus zuverlässig abgetötet wird). Auch eigene Küchenabfälle, sofern entsprechende Einrichtungen fehlen, nicht verfüttern.
  • Schadnager, wie Mäuse und Ratten, sind zu bekämpfen.
  • Freilaufendes Geflügel, Hunde und Katzen sollten eingesperrt werden.
  • Betriebsfremden Personen sollte der Zutritt in die Ställe nicht gestattet werden. Bei Bedarf kann Einwegschutzkleidung zur Verfügung gestellt werden, die nach dem Ablegen zu verbrennen ist.
  • Die allgemeine Hygiene ist im Betrieb zu verbessern durch
    - Sauberkeit in allen Bereichen,
    - Desinfektionswannen und -matten in allen Zugangs- und Zufahrtsbereichen sowie
    - ständig saubere Arbeits- und Schutzkleidung.
  • Gemeinschaftlich genutzte Maschinen, insbesondere auch Güllefahrzeuge, sollten vor der Weitergabe gereinigt und desinfiziert werden.
  • Lieber zweimal mehr an MKS denken, als einmal zu wenig. Denn ein geäußerter Verdacht, der sich als unbegründet herausstellt, hat keine, ein nicht geäußerter Verdacht dagegen verheerende Konsequenzen.

Was ist bei Ausbruch der MKS zu tun?

Die Bekämpfung der MKS ist in der EU harmonisiert, das heißt es werden zunächst gemeinschaftsweit gleichartige Maßnahmen ergriffen. Bestätigt sich der Verdacht durch die Laboruntersuchung, ordnet die zuständige Behörde Maßnahmen an für

  • den Seuchenbetrieb,
  • einen Sperrbezirk und
  • ein Beobachtungsgebiet.

Maßnahmen für den Seuchenbetrieb

Die Klauentiere im Seuchenbetrieb werden unverzüglich getötet und in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt unschädlich beseitigt. Die gesamte Hofstelle ist gesperrt und muss vom Besitzer durch Schilder als Seuchenbetrieb kenntlich gemacht werden ("Maul- und Klauenseuche - Unbefugter Zutritt verboten").

Außer den genannten Maßnahmen ist ganz wichtig, dass

  • Personen sich vor jedem Verlassen des Betriebes gründlich waschen (auch die Haare), die Kleidung und Schuhe wechseln (das Betreten und Verlassen des Betriebes ist auf unaufschiebbare Notfälle zu beschränken) sowie
  • an den Stallein- und -ausgängen Möglichkeiten zur Desinfektion, z.B. Matten oder saugfähige Bodenauflagen, vorhanden sind (in Frostperioden 10 %ige Kochsalzlösung zum Desinfektionsmittel geben).

Desinfektion von Ställen und Hofflächen

Es hängt ganz entscheidend von der Mitarbeit der Tierbesitzer ab, ob eine Weiterverbreitung der Seuche verhindert werden kann.
Neben der sorgfältigen Durchführung der beschriebenen Maßnahmen ist vor allem eine wirksame Desinfektion (Stallgänge, Hofflächen und weitere Flächen, auf denen sich Klauentiere vor dem Ausbruch aufgehalten haben) notwendig.

Dabei sind folgende Grundsätze zu beachten:

  • Alle geprüften Desinfektionsmittel sind anwendbar, sofern sie gegen "unbehüllte Viren" innerhalb von 2 Stunden wirksam sind.
  • Die angegebenen Gebrauchskonzentrationen gelten in der Regel für einen Temperatur-bereich um die 20°C. Bei niedrigeren Temperaturen sind sie zu erhöhen (eventuell sogar zu verdoppeln).
  • Desinfektionsmittel auf der Basis von Aldehyden und organischen Säuren dürfen bei Temperaturen unter 10°C nicht angewendet werden.
  • Neben den Handelspräparaten eignen sich zur Desinfektion auch Natronlauge (2 %ig, 1 Stunde Einwirkzeit), Formalin (3 %ig, 2 Stunden), Peressigsäure (1%ig, 1Stunde) oder Ameisensäure (4 %ig, 2 Stunden).

Aufbau einer Düngerpackung mit Branntkalk

  • An der Stelle, wo die Düngerpackung aufgesetzt werden soll, wird eine mindestens 25 Zentimeter hohe Strohschicht ausgebreitet. Darauf ist eine möglichst geschlossene Lage von Löschkalk (ca. 10 kg/m2 – Kalkhydrat –Ca(OH)2 ) aufzubringen.
  • Der Erfolg der Düngerdesinfektion hängt von der gleichmäßigen Durchmischung des Festmistes mit dem gekörnten Branntkalk (ungelöschter Kalk – CaO) und von einer aus-reichenden Einwirkzeit ab. Die gleichmäßige Durchmischung ist mit einem Miststreuer zu erreichen, dessen Streubreite 2 bis 3 Meter nicht überschreitet. Der zu desinfizierende Festmist wird auf den Miststreuer geladen. Während des Aufladens wird gekörnter Brannt-kalk in mindestens 2 Schichten gleichmäßig dem Dünger zugesetzt. Als Richtwert gilt ein Zusatz von 100 kg gekörntem Branntkalk je Kubikmeter Stallmist.
  • Anschließend wird das Festmist-Branntkalk-gemisch vom Miststreuer – unter ständigem, kräftigem Befeuchten mit Wasser – möglichst langsam abgedreht. Die dadurch entstandene etwa 1,5 Meter hohe Miete wird mit einer stabilen, schwarzen Silofolie vollkommen abgedeckt, die am Boden beispielsweise mit Autoreifen oder Steinen zu beschweren ist.
  • Auch bei Einrichtung der Miete durch Handarbeit ist auf gründliche Durchmischung und Durchfeuchtung zu achten.
  • Die dabei tätigen Personen müssen die für den Umgang mit Branntkalk notwendigen Vorsichtsmaßnahmen beachten.

Geringe Mengen Festmist desinfizieren

  • Der Platz für die zu desinfizierenden Materialien sollte möglichst wasserundurchlässig, eben und überschwemmungssicher sein.
  • Er ist so anzulegen, dass ihn Tiere, die für die MKS empfänglich sind oder sie verschleppen, sowie unbefugte Personen nicht betreten können.
  • Schmutzwasser darf nicht in andere Betriebe, auf Wege, die fremden Personen und Tieren zugänglich sind, sowie in Oberflächen- und Grundwasser ablaufen.
  • Der Mist wird mit gekörntem Branntkalk (100 kg/m3 Mist) gründlich und gleichmäßig vermischt, durchfeuchtet und mindestens 5 Wochen in einer Miete unter Folien-abdeckung gelagert.
  • Der desinfizierte Festmist ist auf unbestelltes Ackerland zu bringen und sofort unterzupflügen. Fehlt diese Möglichkeit oder muss der Dünger auf Grünland oder bestellte Feldfutterflächen aufgebracht werden, ist die Düngerpackung zuvor mindestens 10 Wochen zu lagern.
  • Maschinen, Geräte und Schutzkleidung sind zum Schluss der Arbeiten nach Anweisung des beamteten Tierarztes sorgfältig zu desinfizieren.

Desinfektion von Flüssigmist

  • Flüssigmist (Gülle), Jauche und Schmutzwasser sind, sofern keine Erhitzung möglich ist, durch Zusatz chemischer Desinfektionsmittel zu entseuchen.
  • Vor und während der Zugabe des Desinfektionsmittels und weitere 6 Stunden ist die Gülle gründlich durchzumischen.
  • Während der gesamten Einwirkungszeit (mindestens 4 Tage) soll in regelmäßigen Abständen durch ein Rührwerk der Flüssig-mist mit dem Desinfektionsmittel weiter gut durchgemischt werden. Bei belegtem Stall sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
  • Empfohlen werden folgende Mengen: z.B. Natronlauge 15-prozentig 30 Liter je m3 Gülle oder Formalin 15 kg je m3.
  • Nach der Einwirkzeit ist der Flüssigmist möglichst auf Ackerland auszubringen und unterzupflügen.
  • Bei der Anwendung von Kalk, Natronlauge, Formalin und Peressigsäure in den angegebenen Konzentrationen ist bei der Ausbringung bis zu 20 m3 je ha nicht mit Umwelt- oder Pflanzenschädigungen zu rechnen.
  • Feststoffe, die aus Flüssigmist abgeschieden wurden, sind wie Festmist zu behandeln.

Einrichtung eines Sperrbezirkes

Um den Seuchenbetrieb wird ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 3 Kilometer eingerichtet. Insbesondere wegen der leichten Windübertragung des MKS-Virus kann der Sperrbezirk entsprechend vergrößert werden. Der Sperrbezirk wird von der zuständigen Behörde durch Schilder ("Maul- und Klauenseuche - Sperrbezirk") kenntlich gemacht. Im Sperrbezirk gelten folgende Regeln:

  • Besitzer von Klauentieren haben die Haltung dieser Tiere unter Angabe von Standort, Art und Tierzahl der zuständigen Behörde anzuzeigen.
  • Während der ersten 15 Tage dürfen Klauentiere grundsätzlich nicht aus ihren Beständen verbracht werden, auch ist die künstliche Besamung nicht gestattet. Besamungen sind nur dann möglich, wenn sich der Samen bereits im Betrieb befindet oder unmittelbar von einer Besamungsstation bezogen wird und der Besitzer die Besamung durchführt.
  • Nach Ablauf der 15 Tage dürfen Klauentiere nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde und nur zur sofortigen Schlachtung, zu diagnostischen Zwecken oder zur sofortigen Tötung und unschädlichen Beseitigung aus dem Sperrbezirk verbracht werden. Das Schlachtfleisch gesunder Tiere unterliegt keinen Beschränkungen.
  • Auf öffentlichen oder privaten Wegen (ausgenommen Betriebszugangswege) dürfen Klauentiere nicht getrieben werden.
  • Klauentiere dürfen zum Decken nicht außerhalb des Betriebes verbracht werden.
  • Jegliche Klauentierveranstaltungen sind verboten; für die Dauer der Sperre sollten - vor dem Hintergrund der leichten Übertragbarkeit und der hohen Ansteckungsfähigkeit - die Landwirte auch andere Veranstaltungen meiden.
  • Klauentiere im Durchgangsverkehr dürfen nur auf Autobahnen, anderen Straßen des Fernverkehrs oder mit der Bahn transportiert werden.

Einrichtung eines Beobachtungsgebietes

Im Beobachtungsgebiet (Radius mindestens 10 Kilometer um den Seuchenbetrieb) gelten die Regeln des Sperrbezirks mit der Ausnahme, dass von Anfang an Klauentiere mit Genehmigung der zuständigen Behörde innerhalb des Beobachtungsgebietes verbracht werden dürfen.

Die angeordneten Schutzmaßnahmen werden aufgehoben, wenn alle Klauentiere des Seuchenbetriebes verendet oder getötet und unschädlich beseitigt worden sind. Außerdem müssen die Schadnagerbekämpfung, Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt, vom Veterinäramt abgenommen und seitdem wenigstens 30 Tage vergangen sein.


Warum wird keine Flächenimpfung durchgeführt?
Ist eine Notimpfung möglich?

Bis 1992 wurde in Deutschland und in anderen europäischen Ländern gegen 3 Typen der MKS geimpft. Diese 3 Typen waren auf dem europäischen Kontinent verbreitet. Daher machte diese Flächenimpfung Sinn. Letztlich auch mit Hilfe der Impfung sind diese MKS-Typen seit vielen Jahren von unserem Kontinent verschwunden.

Die MKS hat aber - ähnlich wie die Grippe - eine Besonderheit. Der Impfschutz wirkt nur, wenn der verwendete Impfstamm weitestgehend mit dem Seuchenstamm übereinstimmt; und Seuchenstämme gibt es viele. In allen anderen Kontinenten bis hin zur Schwelle Europas findet man sie. Sie sind es, von denen die neue Gefahr für unsere Klauentierbestände ausgeht. Gegen die meisten dieser Stämme wäre die alte Impfung unwirksam gewesen.

Deshalb müssen wir uns darauf einstellen, gegen diese neuen, sogenannten exotischen Stämme für den Seuchenfall eine Notimpfung durchzuführen.

Die Bundesrepublik Deutschland hat hier Vorsorge getroffen und bei der Firma Bayer AG eine Impfstoffreserve angelegt. Diese von 14 Bundesländern getragene Reserve umfasst die 10 wichtigsten Virussubtypen. Sofort stehen von jedem der 10 Subtypen 100.000 Impfdosen zur Verfügung; je 1 Million Dosen können in kurzer Zeit nachproduziert werden.

Im Falle einer Entscheidung für einen Impfstoffeinsatz im Rahmen einer Notimpfung (zu der die Mitgliederstaaten nach Unterrichtung der EG-Kommission ermächtigt sind, sofern grundlegende Gemeinschaftsinteressen nicht entgegenstehen) muss - soll sie erfolgreich sein - subtypenspezifischer Impfstoff eingesetzt werden. Selbst bei einer raschen Entscheidung über eine Notimpfung werden immer einige Tage vergehen, bis man den Virustyp ermittelt sowie die Impfung durchgeführt hat und die Tiere einen wirksamen Impfschutz ausgebildet haben.

Durch die in der Reservebank vorhandene MKS-Virussammlung kann im Bedarfsfall auch für andere Virustypen Impfstoff produziert werden.

Auch auf europäischer Ebene existiert eine MKS-Impfstoffbank, an deren Vervollständigung gearbeitet wird.

 


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Quelle: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BML), März 2001

 

Weitere Infos zu MKS beim Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft oder bei Animal Health Online.

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